Über uns 2019-03-04T14:06:52+00:00

Die Volksbühne Wattenscheid ist der dienstälteste Schauspielverein von Wattenscheid mit wechselvoller Geschichte (s.u.) und hat derzeit 30 aktive Mitglieder. Sein Auftrag ist die Pflege des volkstümlichen Laienspiels mit besonderer Aufgabe zur Unterhaltung der Kinder, die in den Sommerferien nicht verreisen können. So bestreitet die Volksbühne je 2 Wochen lang die Märchenfestspiele in der Waldbühne Höntrop neben anderen Spielgruppen. Alle paar Jahre spielen wir aber auch Erwachsenenstücke, so wie in 2019, unserem Jubiläumsjahr. Hier darf es deutlich frivoler, hintergründiger und bissiger hergehen, was dem Ensemble grossen Spass macht und eine Abwechslung zum Märchenbetrieb darstellt. Gerade die Farcen und Possen von Dario Fo gehen sozusagen stets mit ihren absurden Figuren in die Vollen. Im Ensemble sind alle Altersgruppen und viele Berufe vertreten: z.B. von Frisörin bis Polizistin, von Schüler bis Rentner. Kostüme werden geschneidert, Kulissen gebaut und bemalt. Stets suchen wir nach neuen Mitgliedern und Interessenten für alle Bereiche: Aktuell suchen wir Spieler für unsere neuen Sommerproduktionen: Der Froschkönig und Rotkäppchen (Spieltermine Mitte August) bitte melden bei unserem ersten Vorsitzenden Norbert Behlert unter 02327 320802 oder unter www.volksbuehnewatt.de

Die Geschichte der Volksbühne Wattenscheid

Am 2. Februar 1919, einem frostigen, windigen Tag, gründete Willi Rosenkranz mit den drei Junggesellenbrüdern Stiller den Theaterverein Volksbühne Wattenscheid unter dem Namen „Freundschaftbund Edelweiss“ in der ehemaligen Gaststätte Recke, später Haus Langenbeck dem heutigen vietnamesischen Restaurant an der Swidbertstrasse (früher Schulstrasse), um den grausamen Erfahrungen aus dem ersten Weltkrieg etwas Freude und Humor entgegenzusetzen. Aus einem „bunten Theaterabend“ der bald auf der Bühne der Gaststätte zur Aufführung kam, wurden durch anhaltenden Publikumserfolg in der Wattenscheider Bevölkerung mehrere Stücke pro Jahr. Die Mitgliederzahl wuchs bis auf 120 aktive und 400 fördernde Mitglieder.

Der Verein baute seine eigene wandelbare Bühne mit der Unterstützung der Schreinerei Peter, die damals in der Braugase ansässig war, Kostüme und Requisiten wurden geschneidert und hergestellt. Der Verein wuchs und gedieh, es wurden Stücke von Arnold und Bach, Reimann und Schwartz, also Schwänke aufgeführt, aber auch Klassiker, die stets eine grosse Herausforderung waren.

Unter den Nationalsozialisten musste sich der Freundschaftsbund nun „Laienspielgilde Wattenscheid“ nennen. Viele Stücke, die nicht ins politische und sittliche Bild der Zeit passten wurden plötzlich verboten. Die Mitglieder wurden im sogannenten „Kraft durch Freude“ Programm an die Arbeiten zum Bau sowohl der Freilichtbühne Wattenscheid, als auch zur Waldbühne Höntrop herangezogen, in denen man „germanisches Theater“ in Anlehnung an die „Thing-Versammlungen“ zeigen wollte und den Durchhaltewillen der Bevölkerung während des sich anbahnenden Krieges stärken wollte. Mit der Zerstörung Wattenscheids, der Bühnen, des Vereinslokals mitsamt Theaterfundus, Kulissen und Kostümen endete diese Zeit in einem Alptraum.

Doch schon 1945 hatte man neuen Mut gefasst und der Verein nannte sich in Volksbühne Wattenscheid um, man setzte sich die Pflege des volkstümlichen Laienspiels als Ziel und die Stadt Wattenscheid gab den Auftrag in der wiederhergerichteten Freilichtbühne ab 1947 den Spielbetrieb aufzunehmen. 1947 eröffnete die Volksbühne mit der Komödie „Wenn der Hahn kräht“ und mit dem Kinderstück „Robinson darf nicht sterben“, 1949 folgte „Das tapfere Schneiderlein“, ab 1951 wünschte sich die Stadt jährlich in der Waldbühne Höntrop Kindermärchen für die Arbeiterkinder, die nicht die finanziellen Mittel hatten, in den Sommerferien zu verreisen. So eröffnete mit Rübezahl die Volksbühne erstmals dort ihre Theatertore.

In den 50ern wurde auch das Fernsehen auf die Volksbühne aufmerksam und filmte einige Episoden des Volksschauspiels „der Jungfernkrieg“ ab, mit dem die Volksbühne auch auf Gastspielreise durch Deutschland fuhr. Andere Stücke waren Götz von Berlichingen und Wilhelm Tell. Mehr und mehr versteifte man sich aber auf die Kinderstücke im Sommer.

In den 60er und 70er Jahren spielte man wieder vermehrt in der Freilichtbühne um dann aber ab Anfang der 80er Jahre wieder ganz in der Waldbühne zu spielen.

Hatte die Volksbühne und das Laienspiel an sich stark unter der Konkurrenz des Fernsehens, der neuen Medien und der hohen Anzahl anderer Hobbymöglichkeiten zu leiden, erlebt das Interaktive, das Live-Erlebnis zwischen Menschen gerade wieder ein Revival. Auch unter diesem Aspekt haben wir uns entschieden, im Angedenken an all die Mitglieder vor uns, zum Jubiläum auch eine Erwachsenenproduktion auf die Beine zu stellen um zu zeigen, wie lustig, wie beglückend und wie mitreißend Theaterspiel für Jedermann sein kann.